Was ist Blaustrumpf?

Es ist schon merkwürdig… ich habe nach einem Namen für diesen Blog gesucht und habe einfach in Google „Begriffe 19. Jahrhundert“ eingegeben. Fast gleich zuoberst fand ich eine Seite mit altertümlichen Begriffen und bin dort auf den Begriff „Blaustrumpf“ gestoßen. Toll! Dachte ich mir. Kurz und knapp, mehrdeutig und irgendwie passend. Als ich dann die Definition gelesen habe, musste ich laut lachen:

abwertend/veraltet
eine Frau, die ihr Wissen und ihre Gelehrsamkeit sehr betont und gleichzeitig die als typisch weiblich geltenden Eigenschaften ablehnt.

Besser geht’s nicht! Denn genau das bin ich: klug und eher untypisch. 😀

Die Definition geht aber noch weiter, denn den Ursprung fand der Begriff Ende des 18. und im 19. Jahrhundert. Er wurde für Frauen verwendet, die nach Bildung und politischer Mitsprache strebten. Geprägt wurde der Begriff durch die Bluestocking Society in England Mitte des 18. Jahrhunderts, eine Gruppe gelehrter Frauen, die sich zu literarischen und politischen Diskussionen trafen und zu der auch Männer geladen waren.

Als nun aber den Frauen jegliche Bildung versagt wurde und per Definition die Frau nur dafür da war, Männern zu gefallen und für diese zu sorgen, entwickelten sich die Blaustrümpfe zu Feministinnen und die intellektuellen Frauen wurden zur Zielscheibe männlichen Spotts. 1844 veröffentlichte die satirische Zeitschrift Le Charivari 40 Karikaturen von Honoré Daumier mit dem Titel Les bas-bleus (franz. für Blaustrümpfe).

Die Weiterentwicklung der Blaustrümpfe fand in den deutlich aggressiveren Sufragetten ihren Höhepunkt, die insbesondere das politische Wahlrecht für Frauen durchsetzen wollten. Dass sich die Blaustrumpf-Gesellschaft sogar bis nach Japan durchsetzte, zeigt, wie wichtig diese Frauenrunden für den Feminismus überall auf der Welt waren.

Auf diesem Blog geht es nicht nur um Frauenrechte, sondern auch um die „schönen“ Dinge wie Mode, Rezepte, Musik und alles was sonst noch so zum Leben im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehört. Der Blog ist außerdem mein Merkzettel für jegliche Recherchen ins 19. Jahrhundert, die ich hier sammle und beizeiten in Büchern veröffentlichen werde.

Regina Gschladt