Ein Hoch auf die Erdbeere!

Einen solchen Lobgesang auf die Erdbeere findet man auch nicht überall!

Hätten die Erdbeeren auch kein anderes Verdienst, als die Vorboten aller Reichthümer des Jahres, die ersten Früchte zu sein, so wären sie schon deshalb zu schätzen; doch sie bedürfen dieses Vorzuges nicht, um geschätzt zu werden; ihre liebliche Form, ihr würziger Duft, ihr herrlicher Geschmack stellt sie in die Reihe der werthvollsten Erzeugnisse des Pflanzenreichs.

In den ersten Frühlingstagen, wenn die Beete und Rabatten in unsern Gärten noch kahl sind, die andern Pflanzen kaum beginnen, als grüne Spitzen der Erde zu entsprossen, breitet die Erdbeerstaude schon ihre hellgrünen, schön gezackten Blättchen aus, und es bedarf nur einiger warmer Maitage, so entfaltet sie die zarte weiße Blüthe, die einfache Tochter des Waldes, welche wir, ihren Werth erkennend, nicht zu einfach fanden, in unsere Gärten sie zu verpflanzen, damit ihre süßen Früchte unsere Augen erfreuen und unsern Gaumen ergötzen.

Doch nicht in ihrer ursprünglichen Gestalt allein ist die Erdbeere uns ein herrlicher Genuß, eine köstliche Labung; die Kochkunst verdient sich ihres Aroms auf die verschiedenartigste Weise: zu Confituren, Saucen, Gelée’s u.s.w. Hier einige Proben ihrer Nützlichkeit:

Ananas-Erdbeeren in Zucker einzumachen

Man pflückt schöne, halbreife Ananasbeeren, wiegt sie, nimmt dann dasselbe Gewicht geschlagenen Zucker, thut denselben in ein Casserol mit Wasser (1 Pfund Wasser auf 2 Pfund Zucker). Ist Wasser und Zucker durch starkes Kochen gehörig verbunden und geklärt, so thut man die Erdbeeren hinein, nimmt sie nach mehrmaligem Aufkochen mit dem Schaumlöffel wieder heraus, und füllt mit ihnen die dazu bestimmten Töpfe oder Gläser zur Hälfte an. Der Syrup wird wieder über das Feuer gesetzt und muss noch einigemal aufkochen. Dann füllt man damit die Töpfe vollständig, indem man die darin befindlichen Erdbeeren behutsam mit dem Löffel etwas in die Höhe hebt, damit der Zuckersaft sie von allen Seiten durchdringe. Nach dem Erkalten bindet man die Töpfe zu und verwahrt sie an trockenen, kühlen Orten.

Erdbeersaft

Man nimmt dazu vollkommen reife Walderdbeeren. Nachdem sie gereinigt, gießt man heißes Wasser (40 Grad) darüber, im Verhältnis von 12 Pfund Wasser zu 10 Pfund Erdbeeren, rührt das Ganze gehörig durcheinander, bis die Früchte völlig zerdrückt sind, umgiebt das Gefäß, welches die Masse enthält, mit Eis und läßt es an einem kühlen Orte 24 Stunden stehen. Dann wird der Erdbeersaft 2-3 Mal durch ein reines Tuch gegossen, bis er völlig klar ist. Ist dies geschehen, so nimmt man harten Zucker, an Gewicht dem Safte gleich, läßt ihn darin kalt sich auflösen, rührt den Saft um und füllt ihn in Flaschen, die man sorgfältig zupfropft, zubindet, und auf eine Unterlage von Heu in einen mit Wasser gefüllten Kessel legt. Nun stellt man den Kessel über das Feuer, nimmt nach 2- oder 3maligem Aufkochen die Flaschen heraus, läßt sie langsam erkalten und bewahrt sie an einem kühlen Orte auf.
Dieser Saft ist eben so vorzüglich zu Saucen zu verwenden, als er für Kranke eine wahrhafte Erquickung darbietet.

Erdbeerwasser

Man nimmt dazu gleichfalls sehr reife Erdbeeren, reinigt sie und zerreibt sie dann, indem man etwas Wasser dazu gießt, mit einem reinen hölzernen Löffel oder mit einer Reibekeule. Nachdem die zerriebenen Erdbeeren 2 Stunden gestanden, drückt man sie durch ein Tuch oder ein Haarsieb, füllt den Saft in eine Flasche, und stellt diese, gut zugepfropft, in die Sonne, oder noch besser in eine warme Ofenröhre. Darauf gießt man den so destillierten Saft in ein Porzellangefäß (auf 13 Loth Saft 2 Pfund Wasser nebst 6 Loth Zucker), vermischt das Ganze, indem man die Flüssigkeit mermals aus einem Gefäß in das andere und wieder zurückgießt, und läßt sie an einem kühlen Orte erkalten. Dieses sehr angenehme Getränk hält sich mehrere Tage.

Erdbeermarzipan

Man reibt ein Pfund süße Mandeln, läßt 16 Loth Zucker über gelindem Feuer kochen mit 12 Loth filtrierten Erdbeersaftes und thut dann den Mandelteig hinzu, rührt das Ganze gehörig durch und setzt es wieder über das Feuer, wo es unter beständigem Rühren nochmals kochen muß. Sobald der Teig sich ablößt, ist er gut; man legt ihn nun auf ein mit Zucker bestreutes Bret, läßt ihn erkalten, breitet ihn dann auseinander und formt daraus allerlei Figuren, die man mit Zuckerguß überzieht und in einem nicht sehr warmen Ofen backen läßt.

Erdbeerliqueur

Der Saft der Früchte wird ausgepreßt; auf 4 Pfund Saft nimmt man 1 Quentchen Zimmet, 1/2 Quentchen Gewürznelken, gießt 4 Quart feinen Branntwein hinzu und läßt diese Mischung einen Monat lang destillieren. Nach Verlauf dieser Zeit klärt man sie ab, läßt 4 Pfund gestoßenen Zucker in Wasser sich auflösen, thut ihn in den Liqueur, läßt ihn abermals einige Zeit stehen, filtriert ihn, füllt ihn in Flaschen und verschließt dieselben luftdicht.

Klingt alles unglaublich lecker! Jetzt braucht man nur noch Zeit zum Ausprobieren 🙂

Rezepte und Text: Der Bazar 1857

Bild: Swallowtail Garden Seeds collection of botanical photographs and illustrations, ca. 1870

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