Mückenessenz um die Plagegeister zu entfernen

Jetzt kommt wieder die Zeit, wo man gerne abends draußen sitzt. Nur leider wird man dort gerne von den nervigen Mücken belästigt. Die Blutsauger scheinen dann immer in Scharen vorhanden zu sein und man hat keine ruhige Minute mehr. Das war auch schon im 19. Jahrhundert so, und so ist es nicht verwunderlich, eine Arzt Rezeptur für Mückenessenz in einer Zeitschrift zu finden:

Schutzmittel gegen Mücken sind zur Sommerszeit in manchen Gegenden, in denen stehende Gewässer einen förmlichen Brutherd für die lästige Mückenplage bilden, stark begehrte Artikel, und wir entsprechen wohl den Wünschen vieler Leserinnen, wenn wir einige erprobte Mittel hier anführen.

Zum Fernhalten aus bewohnten Räumen dient Mückenessenz, die man nach der Verdünnung mit Wasser durch einen Spray möglichst fein zerstäubt, oder aber ein weniger angenehmes Vertreibungsmittel, d.h. Räucherungen mit Mückenkerzen, die in Droguenhandlungen meist fertig käuflich sind.

Zur Fernhaltung der Mücken von der Haut beim Spazierengehen oder beim Sitzen im Freien kann man sich der Mückenessenz gleichfalls bedienen, indem man sie unverdünnt auf die Haut reibt, oder aber man verwendet zu gleichem Zwecke einen Puder. Bequem zu handhaben sind auch Mückenstifte, die man stets zur Hand haben kann und mit denen man die Haut bestreicht.

Sämtliche Mittel, die zu diesem Zwecke geeignet sind, besitzen aber den Uebelstand, einen starken Geruch zu verbreiten. Dies kann unter keinen Umständen vermieden werden; denn durch eben diesen Geruch sind die Mittel allein wirksam. Es gilt hierbei nur eine Substanz zu wählen, die die Geruchsnerven der Menschen am wenigsten, die der Mücken aber besonders stark beeinflußt. Diese Substanz hat E. Dieterich in dem Eukalyptol gefunden, einem Riechstoff, der aus einem myrtenähnlichen Baum Australiens hergestellt wird. Aus diesem Kann man sich die genannten Mückenschutzmittel in jeder Apotheke leicht nach folgenden Vorschriften herstellen lassen:

Mückenessenz:

1 Teil Eukalyptol, 1 Teil Essigäther, 4 Teile Kölnisches Wasser und 5 Teile Tinktur aus persischem Insektenpulver werden gemischt.

Mückenpuder:

1 Teil Eukalyptol, 4 Teile Veilchenwurzelpulver und 15 Teile Weizenstärke werden zusammen verrieben.

Mückenstifte:

4 Teile Eukalyptol, 1 Teil Anisöl, 45 Teile flüssiges und 50 Teile festes Parfüm werden zusammengeschmolzen und in Stangen ausgegossen.

Von allen diesen Mitteln darf man sich selbstverständlich nicht zu viel versprechen, und es ist notwendig, das Einreiben, Pudern und Bestreichen oft zu wiederholen, da durch die Hitze, die bei dem Notwendigwerden von Mückenschutzmitteln meist zu herrschen pflegt, die Wirkung der Riechstoffe durch Verdunstung alsbald wieder nachläßt. Immerhin dürften die Eukalyptolpräparate als die besten der zur Zeit bekannten Mückenschutzmittel gelten.

Bei bereits erfolgten Mückenstichen ist es von unschätzbarem Wert, etwas Salmiakgeist bei sich zu haben, mit dem man die Stelle zu betupfen hat. Der Salmiakgeist ist in diesem Falle schmerzlindern und entzündungshemmend, indem er die Wirkung des in der Wunde abgesonderten Stoffes durch chemische Neutralisation aufhebt.

Wenn wir jetzt also davon ausgehen, dass diese Mittelchen genauso wenig wirken wie alles, was wir heutzutage kennen, ist die Frage, ob man es vielleicht trotzdem ausprobieren sollte 🙂

 

Bild: aus Seite 073 in „Die Gartenlaube“, 1886
Bildunterschrift: „Die Stechmücke und ihre Verwandlung.
Originalzeichnung von Emil Schmidt.
Regina Gschladt

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