Warme Zwischenspeise aus Kiebitzeiern

Die Eier der Kiebitze galten früher als Delikatesse, dürfen aber heute nicht mehr gesammelt werden, da der Kiebitz auf der Roten Liste steht! Bestimmt ließe sich ein solches Gericht aber auch aus anderen etwas kleineren Eiern gut zubereiten. Es klingt jedenfalls sehr köstlich!

Man prüft die Kiebitzeier auf ihre Frische – nur die im Wasser zu Boden sinkenden sind brauchbar – und kocht sie sieben Minuten. Indes hat man aus einem Kastenbrot runde Scheiben geschnitten, in deren Mitte man eine Vertiefung von der Größe der Kiebitzeier macht, worauf man sie in Butter goldgelb röstet, mit wenig Cayenne und gewiegter Petersilie bestreut und heiß hält. Auch eine treffliche Sauce wird bereitet, die vor dem Kochen der Kiebitzeier fertig sein muß. Man bräunt in 30 g Butter einen Löffel Mehl, eine geriebene Zwiebel und einen Löffel gewiegte Kräuter, verkocht dies mit leichter Fleischbrühe zu dicker Sause, giebt Salz und Pfeffer daran und streicht sie durch. Man vermischt die Sauce jetzt mit einem Weinglas Rheinwein, 5 g Fleischextrakt, zwei in feine Scheiben geschnittenen Trüffeln, einer Messerspitze Zucker und etwas geriebener Petersilie, rührt 20 g frische Butter unter die Sauce und giebt noch etwas Zitronensaft daran. Die geschälten Kiebitzeier werden in die Öffnung der gerösteten Brotscheiben gestellt, diese kranzförmig auf eine runde Schüsel gestellt, mit Brunnenkresse verziert und die Mitte mit der Sauce gefüllt.

Vanellus vanellus MHNTKiebitzeier sind braun gefleckt und sind von der Größe her fast so groß wie Hühnereier, die Form ist allerdings viel spitzer.

Die Vögel kommen vor allem in küstennahen Gegenden vor, vielleicht hast du schon einmal welche im Watt gesehen, die dort im Boden herumstochern? Auch auf Weidelandschaften können Kiebitze vorkommen. Ihre Nester bauen sie am Boden, also aufpassen beim nächsten Querfeldein-Spaziergang, dass du nicht auf ein Nest trittst!

Im 18. Jahrhundert – und so wohl auch noch im 19. – galten Kiebitzeier als Delikatesse. Auch Otto von Bismarck bekam jedes Jahr zu seinem Geburtstag am 1. April jeweils 101 Kiebitzeier von einer Stammtischrunde aus der Stadt Jever. Bismarck bedankte sich 1883 bei den Getreuen von Jever mit einem eiförmigen Pokal, dessen Deckel ein Kiebitzkopf ziert.

Unter Rheinwein versteht man den fruchtig leichten Wein aus der Rheingegend, besonders aus dem Rheingau. Er gilt außerdem als der edelste deutsche Wein.

 

Rezept: Der Bazar, 1897

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