Für Haut und Mund – zwei Kosmetik-Rezepturen von 1899

Zur Abwechslung gibt es heute mal Rezepte der Kosmetik, gefunden in Blätter für Mode und Handarbeit aus dem Jahr 1899. Das Mundwasser hat mich aufgrund seiner einfachen Machart überzeugt, denn wir zahlen heute nicht gerade wenig für eine Flasche eines solchen, in dem häufig eine Menge chemische Zusatzstoffe vorhanden sind. Die Natur hat für unseren Mundraum allerdings eine Menge guter Wirkstoffe entwickelt, zum Beispiel Zimt und Nelken, die antiseptisch wirken und Bakterien des gesamten Mund und Rachen regulieren. Das zweite Beispiel sollte uns daran erinnern, dass wir statt Seifenreste wegzuwerfen, diese bis zum allerletzten Stück verbrauchen können.

Aromatisches Mundwasser

Nach einem alten Klosterrezept:
540 Gramm guten Alkohol, 460 Gramm weiches Wasser und 10 Gramm Pfefferminzöl füllt man in eine größere Flasche, schüttet 20 Gramm Quajakholz, 20 Gramm Zimmet, 20 Gramm Nelken, 80 Gramm Anis, 5 Gramm Cochenille und 1 Gramm Vanille, alles grob in einem eisernen Mörser gestoßen hinzu, giebt einen Tropfen Rosenöl hinein, schließt die Flasche und läßt die Mischung 1 1/2 Woche unter täglich öfterem Schütteln ziehen. Danach filtrirt man sie so oft durch einen Papierfilter, bis sie vollständig klar ist, gießt noch etwa verdünnten Alkohol hinzu nebst 1 Gramm Ambratinktur. Dieses erfrischende Mundwasser von vorzüglich antiseptischer Wirkung wird in gut verkorkten Flaschen aufbewahrt und als geringer Zusatz zu klarem Wasser zugegossen.

Da das südamerikanische Guajakholz heute einer stärkeren Reglementierung unterliegt, wird es nicht so leicht zu bekommen sein. Weihrauch hingegen wäre eine Alternative, da es gegen Entzündungen wirkt. Cochenille, bekannt als echtes Karmin, bezieht sich auf die Cochenille-Laus, aus der der Farbstoff hergestellt wird. Was das Karmin in diesem Fall für einen Sinn hat, kann ich nicht beurteilen, da es außer der farblichen Wirkung keinen anderen Zweck erfüllt.

Verwendung von Seifenresten

Sparsame Hausfrauen thun am Besten, aus Seifenresten und Splittern flüssige Seife herzustellen. Man füllt die Reste, nachdem man sie noch etwas zerkleinert hat, in eine Flasche, gießt warmes Wasser darauf und läßt diese unter öfterem Umschütteln so lange stehen, bis sich alles aufgelöst hat. Bei Gebraucht gießt man etwas aus der Flasche in die hohle Hand und wäscht dann wie gewöhnlich. Nach Belieben kann man außerdem auch noch etwas Parfüm hinzusezten, welches die Flüssigkeit verfeinert. Das Waschen mit flüssiger Seife ist sehr angenehm und gestattet die Verwendung auch des kleinsten Seifenstückes.

Sinnvoll ist es, unparfümierte und möglichst natürliche Seifen zu nehmen, die keine Zusatzstoffe enthalten. Dann ist es auch kein Problem aus mehreren Seifenstücken eine Mischung herzustellen. Die Seifenreste in kleine Stückchen zu schneiden oder sogar zu raspeln ist von Vorteil, dann löst sie sich schneller im heißen Wasser auf. Die Menge des Wassers richtet sich nach der gewünschten Konsistenz, denn Seifen können unterschiedlich stark nachdicken. Es ist sinnvoll, mit weniger Wasser zu beginnen und bei Bedarf mehr Flüssigkeit aufzugießen, sollte es am nächsten Tag zu fest werden.

 

Bild: Die Pariserin bei ihrer Toilette, Das Album, 1899

Regina Gschladt

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