Give Women Vote – drei Farben mit einer Botschaft

Zum heutigen Frauentag möchte ich einen Blick auf die Suffragetten und das Frauenwahlrecht in Europa werfen.

Die erste moderne Frauenwahlrechtlerin Europas war Ende des 18. Jahrhunderts die Französin Olympe de Gouges, die 1791 die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin verfasste und wenig später verhaftet und zu Tode verurteilt wurde. Ab 1906 führten die europäischen Staaten, als allererstes Finnland, Stück für Stück das allgemeine Wahlrecht und meist gleichzeitig das Frauenwahlrecht ein, teilweise mit (Alters- oder Standes-) Beschränkungen, bis zuletzt 1984 (!!!) auch Liechtenstein als letztes westeuropäisches Land den Frauen Stimmrechte gab. Der November 1918 gab österreichischen und deutschen Frauen das Recht an Wahlen teilzunehmen.

Das Frauenwahlrecht war allerdings nur ein Bruchteil der Forderungen, die die weiblichen Bevölkerungen an ihre Länder stellten. Die so genannte Frauenfrage wurde im 19. Jahrhundert breit diskutiert. Hedwig Dohm beispielsweise veröffentlichte zahlreiche Schriften, in denen sie auf die Rolle und Sichtweisen auf die Frau einging. Auch Louise Otto-Peters machte sich für die Rechte der Frauen stark. Doch erst mit der Verbreitung der Sozialdemokratie begannen die Stimmen lauter zu werden. Als erste Partei forderten die Sozialdemokraten im Jahr 1891 das Frauenwahlrecht. 1904 wurde in Berlin die International Alliance of Women gegründet, die bis heute Bestand hat.

Doch erst mit dem Zerfall der Monarchien nach dem 1. Weltkrieg begannen die Frauenbewegungen an Fahrt aufzunehmen. Mit der Einführung des Frauenwahlrechts war zwar der erste Schritt getan, doch noch lange hatten Frauen kaum Rechte bzw. mangelte es an Gleichberechtigung in Bezug auf Berufswahl, Studium oder Arbeitsbedinungen und Bezahlung.

Die Suffragette-Bewegung in England

Im Jahr 1903 gründete Emmeline Pankhurst in Großbritannien die Women’s Social and Political Union. Mit öffentlichen Protesten, Demonstrationen und Hungerstreiks entwickelten sich die britischen Suffragetten zu einer militanten Bewegung. Darüber hinaus fanden die Botschaften der Suffragetten getarnt als Alltagsgegenstände Einzug in alle Bereiche: In den Farben grün, weiß und violett machte sich die Botschaft breit „give women vote“.

Die Farbgebung, wie auch oben im Banner ersichtlich, machte deutlich, wofür die Damen einstanden. Hier ein paar Beispiele solcher Gegenstände:


Weitere Beispiele aus der Suffragetten-Zeit findet ihr auf meinem Pinterest Board.

Mit den zunehmenden Protesten wurden auch Gegenstimmen laut. Es wurden Horror-Szenarien karikiert: Hosen tragende Frauen, Frauen, die ihre Kinder im Stich lassen, Männer, die plötzlich Hausarbeiten erledigen müssen und Frauen, die eingesperrt, gefesselt und denen der Mund zugenagelt wurden. Die Sufragetten machten sich auch bemerkbar, weil sie in der Öffentlichkeit rauchten, was zuvor nur den Männern vorbehalten war.

Rechte der Frauen

Auch wenn das Wahlrecht für Frauen einen entscheidenden Schritt darstellte, wurden Frauen zum Beispiel im Familienrecht noch dem Mann unterstellt. Finnland ging auch hier als erstes europäisches Land in eine Vorreiterstellung: 1885 wurde die Gütertrennung eingeführt, wodurch die Frau bei der Eheschließung ihr Vermögen weiterhin behält. In Deutschland wurde die Zugewinngemeinschaft in der Ehe erst 1958 gesetzlich verankert. Davor hatte der Ehemann das alleinige Entscheidungsrecht für alle Vermögensfragen (und sonstigen Angelegenheiten) in der Ehe. In vielen Ländern war es in den 1950er Jahren noch üblich, dass eine Frau, wenn sie heiratete, nicht mehr berufstätig sein durfte. Auch Lehrerinnen mussten bis 1956 in Baden-Württemberg aus dem Staatsdienst ausscheiden, wenn sie heiraten wollten.

Die Frauenfrage

Auch wenn die Thematik heute mit Emanzipation oder Feminismus benannt wird, so bleibt sie doch die Gleiche. Es geht um Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen. Dabei ging es auch um Bildung, Teilhabe an der Politik, die Rolle der Mutter, Aufklärung und und und.

Eine Sammlung solcher Schriften aus dem 19. Jahrhundert habe ich für euch in dieser Collection zusammengestellt: Women in the 19th Century

Die „Frauenfrage“ ist bis heute noch nicht geklärt. Gleichstellung und Gleichberechtigung sollten eigentlich ein Selbstverständnis sein. Wenn man die Geschichte der Menschheit betrachtet, sind die knapp 100 Jahre Frauenwahlrecht erst ein Anfang. Und somit sollten wir den Frauen des 19. Jahrhunderts danken, dass sie für uns den Stein ins Rollen gebracht haben. Jetzt ist es an uns, weiter für unsere Rechte zu kämpfen! In diesem Sinne: Einen erfolgreichen Frauentag!

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