Verschiedenes kleines Backwerk für Weihnachten (Teil 1)

Wie wäre es dieses Jahr mit leckerem Weihnachtsgebäck aus dem 19. Jahrhundert? Einige dieser Rezepte sind ja durchaus heute auch noch bekannt in den verschiedensten Varianten und werden alle Jahre wieder auf den Plätzchenteller gehäuft. Kein Wunder, sie sind ja auch ein absoluter Genuss!

Zu den folgenden Rezepten ist zu sagen, dass es sich um österreichische Rezepte handelt, wo häufig „Zucker“ bedeutet, dass es sich um den so genannten Staubzucker handelt. Die Konsistenz von Staubzucker ist zwar ähnlich dem deutschen Puderzucker, also ein sehr fein gemahlener Zucker, jedoch ist der Geschmack (warum auch immer) etwas anders. Für Backwaren, wo der Zucker (oder auch gestoßener Zucker) sehr lange mit Butter oder Eiern verrührt wird, lässt sich aber ganz normaler feiner Haushaltszucker verwenden. Für Zuckerguss ist allerdings Staubzucker oder Puderzucker besser, um eine cremige Konsistenz zu erhalten.

Die zweite Problematik ist die Backtemperatur. Häufig findet man in Rezepten aus alten Zeiten Begriffe wie „mäßige Hitze“ oder „mittlere Hitze“. Die Übersetzung dieser Angaben lassen sich in etwa folgendermaßen bestimmten:

sehr schwache Hitze: 80-100 Grad
schwache Hitze: 100-130 Grad
mässige Hitze: 150-170 Grad
mittlere Hitze: 180-190 Grad
starke Hitze: 200-220 Grad
sehr starke Hitze: 230-250 Grad

Hier nun also der erste Teil Weihnachtsbäckerei aus dem Jahre 1898:

Kaiserbrot

1/2 Pfd. Zucker wird mit 6 Eidotter 1/2 Stunde gerührt, dann 3/4 Pfd. große und kleine Rosinen, 1/2 Pfd. ungeschälte geschnittene Mandeln, 1 Stückchen Vanille und 1/2 Pfd. Mehl damit verarbeitet. Zuletzt wird der Schnee der 6 Eiweiß darunter gemischt, das Ganze in ein bestrichenes Blech gefüllt, langsam gebacken und dann zerschnitten.

Schwabenbrötchen

1 Pfd. gestoßener Zucker, 1 Pfd. geschälte gestoßene Mandeln, 1 Pfd. Mehl, 190 Gramm Butter, etwas Zimmet, die abgeriebene Schale einer Zitrone und 1 Ei wird zusammen geknetet, ausgestochen, mit Ei bestrichen, mit Zucker und Zimmet bestreut und gebacken.

Mandelbrötchen

2 Eier und 1/2 Pfund Zucker werden 1/4 Stunde lang gerührt, dann giebt man 1/2 Pfd. gedörrte gestoßene Mandeln und 1/2 Pfd. Mehl dazu. Diese Masse wird auf einem mit Butter bestrichenen Blech ausgerollt, gebacken und in längliche Streifchen geschnitten.

Christstollenzutaten

200 Gramm Mehl, 300 Gramm Butter, 250 Gramm Rosinen, 50 Gramm süße Mandeln, 10 Gramm bittere Mandeln, 75 Gramm Zitronat, 1/2 – 3/4 Liter Milch, 100 Gramm Preßhefe und 1/2 Pfd. Zucker. Diese Masse ergiebt zwei kleine Stollen. Man mengt den Teig abends vorher fertig an, damit er über Nacht aufgeht.

 

Quelle: Wiener Illustrierte Frauenzeitung, 1898

Bild: Luis Egidio Meléndez, Still Life with a Chocolate Service, 1770

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